Ostsee Zeitung vom 11.09.2021

11.09.2021

Hundeschicksal schockt Tierheimmitarbeiter

Berner Sennenhund „Bruno“ von Maden angefressen / Fälle von Vernachlässigungen nehmen zu

Von Kerstin Schröder

Dorf Mecklenburg. „Bruno ist lebendig aufgefressen worden.“ Was die Mitarbeiter des Tierheims in Dorf Mecklenburg in dieser Woche erleben mussten, treibt ihnen noch immer die Tränen in die Augen. ­Verzweifelt haben sie um das Leben des Berner Sennenhundes gekämpft – doch leider hat er es nicht geschafft.

Die Helfer haben schon viele ­gequälte, verletzte und vernach­lässigte Vierbeiner gesehen – in letzter Zeit mehr als sonst. Doch so ein schlimmer Anblick ist auch für sie ein Schock gewesen: Ein Hund, der so schwach ist, das er weder ­laufen noch stehen kann, und in dessen Haut, Schwanz und After sich unzählige Maden gebohrt haben. „Ein Tier derart leiden zu sehen, ist für uns emotional sehr belastend“, sagt Meike Gutzmann. Sie ist Vorsitzende des Tierschutzvereins Wismar und Umgebung. Der betreibt das Tierheim in Dorf Mecklenburg.

Bruno war etwa zwölf Jahre alt und in einer Gartenanlage in einem Dorf bei Wismar zu Hause. Er fällt Spaziergängern auf, weil er in der prallen Sonne dehydriert am Boden liegt und nur noch schwach atmet. Die Finder zögern nicht lange, springen über den Zaun, um nach dem Tier zu sehen. Dabei fallen ihnen etliche Fliegen auf, die den Hund umkreisen. Zahlreiche Maden kriechen über seinen Körper. Er muss also schon länger bewegungsunfähig gewesen sein, Fliegen haben Eier auf ihm abgelegt. „Die Maden hatten schon Löcher in seine Haut gefressen“, erzählt Meike Gutzmann entsetzt.

Polizei und Veterinäramt werden informiert, Mitarbeiter des Tierheims dürfen den Hund vom Grundstück holen und eine Rettungsaktion starten. Ein Tierarzt kümmert sich um Bruno, schert sein Fell, sammeln die restlichen Maden ab. Die Tierheimmitarbeiter schauen nach einem Physiotherapeuten, der die Muskulatur wieder aufbauen soll. Bezahlt werden solche Behandlungskosten von Veterinäramt und Spenden.

Die Hoffnung ist groß, denn zunächst sieht es bei Bruno so aus, als sei er noch rechtzeitig gefunden worden und dass er eine Chance hätte. Er lebt auf. Doch die Maden haben in seinem Inneren anscheinend schon zu viel Schaden angerichtet, wenige Tage nach seinem Auffinden stirbt der Hund. Sein Schicksal sorgt für viele Tränen in Dorf Mecklenburg. „Das hätte verhindert werden können“, sagt Meike Gutzmann. Bruno sei schon länger vernachlässigt worden, sonst wäre er nicht so schwach gewesen. Doch viele Leute müssten einfach weggeschaut haben, anstatt ihm zu helfen.

Damit endlich mehr Menschen hinschauen und etwas unternehmen, erzählen sie von diesem schrecklichen Hundeschicksal. „Man kann auch die Halter ansprechen und fragen, ob sie Hilfe brauchen“, nennt Meike Gutzmann eine weitere Möglichkeit der Unterstützung. Sie will die Menschen wachrütteln, denn die Fälle schwerer Vernachlässigungen nehmen zu: Tiere werden nur im Zwinger gehalten, kaum gefüttert. Spaziergänge gibt es nicht – stattdessen Gleichgültigkeit, manchmal setzt es auch Schläge. Warum? „Wegen psychischer Probleme, Alkohol oder Drogen“, erklärt Meike Gutzmann. Einige Halter seien überfordert und brauchen ebenfalls Hilfe. „Und zwar schnell, sonst ist es für Hunde wie Bruno zu spät.“ Dessen Besitzer hat ganz in der Nähe gewohnt und noch zwei weitere Hunde.

Dass Fälle von schwerer Vernachlässigung auch ein glückliches Ende nehmen können, beweist Hundedame Kessy. Auch sie ist mit Maden am Körper aus einem Verschlag geholt und nach Dorf Mecklenburg gebracht worden. Der Schäferhund konnte gerettet werden und lebt nun mit einem weiteren Hund bei einer Familie. Border Collie Ajax ist in einen Zwinger eingesperrt gewesen und verbringt nun die restlichen Jahre in einer Pflegestelle.

Auch Schäferhund Rex, der in einem Dorf bei Wismar jahrelang eingesperrt war und fast verhungert wäre, hat sich gut erholt und ein neues Zuhause gefunden. Solche schönen Ausgänge tragischer Schicksale bauen die Mitarbeiter im Tierheim moralisch wieder auf.

Doch sie wissen, bald kommt der nächste Fall. Und für den müssen sie auch emotional gewappnet sein. „Manchmal hat man so wie nach Bruno einen Tiefpunkt, aber die Tiere brauchen uns, deswegen machen wir weiter“, betont Meike Gutzmann.



Quellenangabe: Wismar vom 11.09.2021, Seite 11 

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